Dass Ton und Bild im TV synchron sind, ist keine Banalität
Ein aktuelles Forschungsprojekt der Technischen Hochschule Deggendorf (THD) unter der Leitung von Prof. Dr. Sascha Kreiskott untersucht die sogenannte Audio-Video-Synchronität (AV-) unter realen Bedingungen. Zum Beispiel demnächst am 2. Oktober zwischen 15 und 16 Uhr in einer Livesendung bei ALEX Berlin, einer frei empfangbaren Kreativplattform der Medienanstalt Berlin-Brandenburg.
Schon mal überlegt, wie bei einem Kinofilm oder während einer Live-Sendung im Fernsehen Bild und Ton ohne gegenseitigen Versatz und mit nur minimaler Verzögerung zum Publikum gelangen? „Dieser technische Kniff, auch Lippensynchronität genannt, bedeutet, dass Stimme und Lippenbewegung exakt zusammenpassen. Das macht das Gezeigte für Zuschauerinnen und Zuschauer glaubwürdig. Schon kleinste Abweichungen können diesen Eindruck massiv stören“, erklärt THD-Professor Kreiskott.
Am kommenden Freitag sendet ALEX Berlin die Live-Fernsehproduktion »Media Talk – Zukunft der Signalübertragung«. „Das Format“, so Kreiskott, „ist eine Eigenproduktion der THD in Zusammenarbeit mit ALEX Berlin und bietet uns die Möglichkeit, praxisnahe Untersuchungen in einer realen Sendeumgebung durchzuführen.“ Als offener Kanal stelle ALEX Berlin dem Deggendorfer Forschungsteam sowohl das Studio als auch die technische Infrastruktur zur Verfügung. „Mit hochpräzisen Messgeräten werden wir während dieser Live-Sendung die AV-Synchronität erfassen und auswerten“, sagt der THD-Professor. Ziel sei es, herauszufinden, wie Asynchronität zwischen Bild und Ton entsteht, obwohl die beteiligten Geräte eigentlich über einen gemeinsamen Taktgeber aufeinander abgestimmt sind. Zudem wolle man vergleichen, wie sich die Synchronität bei einer Live-Übertragung im Fernsehformat von der im Kinoformat unterscheidet.
Prof. Dr. Stefan Schmid von der Technischen Universität (TU) Berlin ist Experte für die Übertragung von Bild- und Tonsignalen via Internetprotokoll (IP). Dieses ersetzt die Nutzung klassischer Videokabel und ermöglicht den Transfer großer Datenmengen auch über weite Entfernungen – beispielsweise für Live-Übertragungen in höheren Qualitäten als 4K. Schmid wird ebenfalls zu Gast im Studio sein und Einblicke in seine Forschung zu latenzoptimierten Netzwerksystemen und in die Zukunft der Signalübertragung in audiovisuellen Systemen geben.
Ergänzt wird die Runde im Hauptstadtstudio durch ein Forschungsteam der TU Berlin, das die gewonnenen Praxiserkenntnisse zukünftig in eigene wissenschaftliche Projekte einbringen möchte. „Eines davon will zum Beispiel herausfinden, wie Live-Übertragungen skalierbarer gemacht werden können, um den Energieverbrauch zu senken“, erklärt Maximilian Julian Shawn Franke von der TU Berlin.
In einer ersten Untersuchung hatte Kreiskotts Team mit einem sogenannten Medienserver im Kino genau analysiert, wie dort Latenzen entstehen und wie sich daraus ein Versatz zwischen Bild und Ton ergibt. Bei diesem Kino-Ansatz wurde insbesondere darauf geachtet, welche Rolle unterschiedliche Formate von Videos spielen. Denn diese unterscheiden sich unter anderem in ihrer Bildrate, also der Anzahl der Bilder pro Sekunde. Je nach Bildrate entstehen unterschiedliche Latenzen und damit ein unterschiedlich großer Versatz zwischen Bild und Ton.